Freihandelsabkommen EU - SüdamerikaBedeutung des Mercosur-Abkommens für die Wirtschaft
Die Europäische Union und die Mercosur-Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay haben ein Partnerschaftsabkommen unterzeichnet und damit eine der weltweit größten Freihandelszonen geschaffen. Mit dem Abkommen sollen die wirtschaftlichen, diplomatischen und geopolitischen Beziehungen gestärkt werden.
Was ist das Mercosur-Abkommen?
Beim Mercosur-Abkommen handelt sich um ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und der südamerikanischen Wirtschaftsorganisation Mercosur. Vier der sechs Mercosur-Staaten sind Teil des Abkommens: Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay.
Das Abkommen umfasst einen Markt mit rund 700 Millionen Menschen und ist damit eine der größten Freihandelszonen der Welt. Es gilt als starkes geopolitisches Signal und unterstreicht den Wert von Zusammenarbeit, Dialog und internationalen Partnerschaften.
In der EU soll die Vereinbarung eine Vielzahl wirtschaftlicher Chancen eröffnen. Dazu gehören
- die Abschaffung von Zöllen auf EU-Exporte, darunter Agrar- und Lebensmittelerzeugnisse sowie wichtige Industrieprodukte wie Autos, Maschinen und Arzneimittel
- Investitionen in wichtige Lieferketten, darunter kritische Rohstoffe und damit verbundene Güter, die einfacher, schneller und sicherer werden
Am 21. Januar hat das Europäische Parlament beschlossen, den Europäischen Gerichtshof anzurufen, um die Übereinstimmung des Abkommens mit den EU-Verträgen zu prüfen. Aus diesem Grund ist das Handelsabkommen am 1. Mai 2026 lediglich vorläufig in Kraft getreten.
Wie kann man die Zollerleichterungen nutzen?
Seit dem 1. Mai 2026 können die Zollerleichterungen genutzt werden. Es profitieren insbesondere Sektoren, die im Mercosur-Raum bisher sehr hohen Zöllen unterlagen, beispielsweise Maschinen. Diese wurden bisweilen mit 14 bis 20% Zoll belegt.
Der Zollabbau für Lieferungen aus der EU erfolgt je nach Produktgruppe teilweise in mehreren Stufen über längere Zeiträume. Für Maschinenbauprodukte beträgt die vereinbarte Zollabbauperiode beispielsweise zehn Jahre, in anderen Fällen sogar bis zu 15 Jahre. Bei einigen Produkten wird der Zollsatz jedoch direkt im ersten Jahr nach Inkrafttreten des Abkommens ganz entfallen, unter anderem bei Drehmaschinen für die Metallverarbeitung.
Voraussetzung für die Zollerleichterungen ist der präferenzielle Ursprung der Ware. Dafür müssen Waren entweder vollständig in der EU hergestellt oder entsprechend der produktspezifischen Ursprungsregeln be- bzw. verarbeitet worden sein.
Beispiel:
| Maschinen, Elektronik (Kapitel 84-85) | hauptsächlich Positionswechsel oder Wertschöpfungsregel von 45-50 Prozent des Ab-Werk-Preises |
Als Ursprungsnachweis dient die Erklärung zum Ursprung auf den Handelsdokumenten. Für Sendungen mit einem Wert über 6.000 Euro an präferenzberechtigten Waren ist eine Registrierung als REX vorgesehen. Es können bestehende REX-Registrierungen verwendet werden.
Mit dem Abkommen werden schrittweise rund 90 Prozent aller auf EU-Waren anfallenden Zölle bei der Wareneinfuhr in den Mercosur abgebaut. Die übrigen Waren folgen schrittweise.
In der EU-Datenbank Access2Markets ist das Abkommen bereits gut abgebildet.
Aktuelle Handelsbeziehungen EU – Mercosur
Die EU ist für die Mercosur-Staaten nach China der zweitwichtigste Partner im Warenhandel. Umgekehrt zählt der Mercosur zu den zehn größten Handelspartnern der EU. Mehr als 80 Prozent des Handelsvolumens entfallen dabei auf die Geschäfte zwischen der EU und Brasilien. Laut Europäischer Kommission sind etwa 750.000 Arbeitsplätze in der EU vom Handel mit dem Mercosur abhängig.
Zu den zentralen Exportwaren der EU gehören Maschinen und technische Ausrüstungen, Fahrzeuge sowie chemische und pharmazeutische Erzeugnisse. Im Gegenzug importiert die EU vor allem landwirtschaftliche Produkte und Rohstoffe.
Auswirkungen des Abkommens auf den Handel
Die Europäische Kommission schätzt, dass das Abkommen Unternehmen in der gesamten EU neue Geschäftsmöglichkeiten eröffnen und zu einem Anstieg der jährlichen Exporte in den Mercosur um 39 Prozent (im Wert von rund 49 Milliarden Euro) führen wird. Gleichzeitig könnten Hunderttausende von Arbeitsplätzen in der EU gesichert werden und EU-Unternehmen jährlich Zölle im Wert von 4 Milliarden Euro einsparen.