Brexit Titel
Melinda Nagy - Fotolia

Brexit: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben

Theresa May erreicht einen Aufschub bis Ende Oktober. Worauf sich Handwerksunternehmer und besonders Limiteds bis dahin vorbereiten sollten.

Ist Großbritannien ab 2021 Drittland?

Nach einem weiteren Aufschub ist Großbritannien nun spätestens ab dem 1. November 2019 kein Mitglied der Europäischen Union mehr. Das "Scheidungspapier", dass eine Übergangsphase mit vorerst unveränderten Rahmenbedingungen vorsah, hatten die 27 EU-Mitgliedstaaten gebilligt - das britische Parlament hingegen lehnte es bisher mehrfach ab. Gleichzeitig wollen die Abgeordneten einen "harten" Brexit vermeiden.

Nach dem jüngsten Aufschub erteilte die EU weiteren Verhandlungen über das Austrittsabkommen jedoch eine klare Absage. Wie Premierministerin May eine Einigung erreichen will und wann das Vereinigte Königreich tatsächlich austritt, bleibt weiter offen.

Was bedeutet die Ablehnung des Austrittsabkommens für Handwerksunternehmen?

 

Diese Änderungen können auf Unternehmer zukommen


Warenlieferungen:

  • Die Zollvorschriften der EU und des Vereinigten Königreichs müssen beachtet werden (Zollanmeldungen, Genehmigungen, Zölle).
  • Nichttarifäre Handelshemmnisse, wie bisherige Zertifizierungen verlieren ihre Gültigkeit.
  • britische Ursprungswaren sind keine EU-Waren mehr.
  • Lieferantenerklärungen verlieren ihre Gültigkeit, sofern kein Handelsabkommen geschlossen wird.

 

Mitarbeiterentsendung:

  • Für Reisen nach UK werden wieder Visum und Pass gebraucht.
  • EU-Bürger werden eine Arbeitserlaubnis benötigen, um in Großbritannien arbeiten zu dürfen.
  • Die Anmeldung von entsendeten Mitarbeitern wird hohe Kosten verursachen und mehrere Wochen dauern.

 So erfüllen Sie Ihre Aufträge in Drittländern rechtssicher und erfolgreich:

 Warenlieferung

 Mitarbeiterentsendung



 

"Limited" nicht mehr anerkannt:

Im Falle eines "No Deal" würde die Rechtsform der Limited in der EU nicht mehr anerkannt.  

Nach einer Entscheidung des Bundesgerichtshofs (BGH) wird eine Limited mit Verwaltungssitz in Deutschland nach dem Brexit

  • wie eine offene Handelsgesellschaft (oHG) behandelt, falls sie ein Handelsgewerbe betreibt.
  • anderenfalls wie eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR)
  • Die Einmann-Limited wird zum Einzelkaufmann oder zum nicht im Handelsregister eingetragenen Einzelunternehmen.

 

Hinweis

Da ein solcher Wechsel zu einer Personengesellschaft haftungsrechtliche Folgen hat, empfehlen wir den vorzeitigen Wechsel zu einer GmbH oder UG. Die Umfirmierung ist bis zum Austritt im Herbst noch problemlos möglich!

Unsere Tipps

 
Incoterms in bestehenden Verträgen:

Prüfen Sie unbedingt bestehende Kauf- und Lieferverträge auf die vereinbarten Incoterms, damit Sie nicht unerwartet die Logistik- und Zollkosten tragen müssen.

 

 EXW - Ex Works

Der Verkäufer bietet die Ware versandfertig an seinem Standort an. Mit dieser Regelung muss der Käufer für Logistik- und Zollkosten aufkommen.

 DAP - Delivered at Place

Der Verkäufer trägt die Zollkosten. Damit wären Sie als Lieferant für Kosten und Logistik verantwortlich.

"Brexit-Klausel":

Handwerksunternehmen, die in Großbritannien aktiv sind, sollten selbst für alle Eventualitäten vorsorgen. Deshalb raten wir allen betroffenen Unternehmen: Nehmen Sie eine Brexit-Klausel in Ihre Verträge auf. Damit steht es den Parteien frei, bei spürbaren finanziellen Auswirkungen des Brexit, den Vertrag zu kündigen oder Preisanpassungen vorzunehmen. Sofern der Vertragspartner nicht zustimmt, sollten Sie kürzere Laufzeiten in der Übergangsphase vereinbaren, um zeitnah neuere Verträge an die wirtschaftlichen Auswirkungen anpassen zu können.

 

Aline Theurer
Leiterin Europapolitik

Tel. 0711 1657-252
Fax 0711 1657-827
at--at--handwerk-international.de



 
Folgen erkennen und Abwenden:

Der Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) zeigt weitere wichtige Punkte auf, die Sie prüfen sollten. 

Sieben Tipps der EU-Kommission

Was Unternehmer in den verbleibenden EU-Staaten zum Brexit wissen sollten.

Leitfaden "Der Brexit kommt - Was ist zu tun?"

Fragen, Szenarien und Hintergründe, herausgegeben von BDI, BDA und vbw

Das sagen Handwerksbetriebe, die in Großbritannien aktiv sind

Schurig Altmann_kleiner
Werner Kuhnle Fotojournalist www.kuhnle-foto.de

„Wenn ich heute einen Auftrag für das kommende Jahr erhalte, würde ich den Vertrag nur unterzeichnen, wenn mich eine Sonderklausel vor möglichen höheren Kosten nach dem Brexit absichert.“

 Klaus Schurig

Geschäftsführer
 Altmann Laden- und Innenausbau GmbH

Timo Haug epasit GmbH_kleiner
Timo Haug

„Wenn ich Listenpreise für meine Produkte einführe, kann ich sie nicht kurz darauf erhöhen, weil der Brexit möglicherweise höhere Kosten verursacht. Damit wäre ich nicht mehr konkurrenzfähig. Ein Engagement im britischen Markt kommt für mich daher erst in Frage, wenn die Rahmenbedingungen klar  sind.“

 Timo Haug

Mitglied der Geschäftsleitung
 epasit GmbH


Frank Herrmann Spittelmeister_kleiner
Spittelmeister GmbH & Co. KG

„Aufträge im Ausland müssen grundsätzlich lukrativer sein als im heimischen Markt. Sonst lohnt sich der Mehraufwand nicht. Wenn ich für mögliche Zusatzkosten nach dem Brexit vielleicht ein oder zwei Prozent meiner Marge aufwenden muss, bleibt der Auftrag immer noch attraktiv und kalkulierbar.“

Frank Herrmann

Geschäftsführer
 Spittelmeister GmbH & Co. KG



Handwerk International beim Wirtschaftskongress Brexit

Mit Blick auf den nahenden Brexit haben sich am 26. November 2018 rund 400 Vertreter aus baden-württembergischen Unternehmen beim Wirtschaftskongress Brexit über die aktuelle Verhandlungslage, wirtschaftliche Konsequenzen des Brexit sowie konkrete Vorbereitungsmöglichkeiten informiert. Das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau, das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung, Handwerk International Baden-Württemberg und weitere Verbände gaben in Fachforen und Vorträgen wertvolle Tipps. Außenwirtschaftsberaterin Aline Theurer gab gemeinsam mit Experten aus London einen Überblick zu denkbaren Veränderungen bei Entsendung und Dienstleistungserbringung.

Rückblick zum Kongress

Überblick zu den möglichen Brexit-Szenarien und den wichtigsten Wirtschaftszahlen

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Sascha Baumann / all4foto.de

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Aline Theurer

Leiterin Europapolitik

Heilbronner Straße 43
70191 Stuttgart
Tel. 0711 1657-252
Fax 0711 1657-827
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