Brexit Titel
Melinda Nagy - Fotolia

Brexit: Trotz Abkommen kaum Entwarnung

"Eine Brexit-Strategie ist für Unternehmer wichtiger denn je", sagte Ministerin Nicole Hoffmeister-Kraut beim Wirtschaftskongress Brexit. So können sich Betriebe vorbereiten.

Ab 2021 ist Großbritannien ein Drittland

Ab dem 30. März 2019 ist Großbritannien kein Mitglied der Europäischen Union mehr. Das "Scheidungsabkommen" haben die 27 EU-Mitgliedstaaten bereits gebilligt, am 11. Dezember muss jedoch noch das britische Unterhaus zustimmen. Damit wäre der erste Schritt getan, um einen "harten" Brexit abzuwenden. Während einer Übergangsphase bis Ende 2020 würden alle Regeln der Zollunion und des Binnenmarkts weiter gelten. Während dieser zwei Jahre haben EU und Vereinigtes Königreich Zeit, ein Handelsabkommen zu schließen, das die zukünftigen Wirtschaftsbeziehungen verlässlich regelt.

Handwerk International beim Wirtschaftskongress Brexit

Mit Blick auf den nahenden Brexit haben sich am 26. November 2018 rund 400 Vertreter aus baden-württembergischen Unternehmen beim Wirtschaftskongress Brexit über die aktuelle Verhandlungslage, wirtschaftliche Konsequenzen des Brexit sowie konkrete Vorbereitungsmöglichkeiten informiert. Das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau, das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung, Handwerk International Baden-Württemberg und weitere Verbände gaben in Fachforen und Vorträgen wertvolle Tipps. Außenwirtschaftsberaterin Aline Theurer gab gemeinsam mit Experten aus London einen Überblick zu denkbaren Veränderungen bei Entsendung und Dienstleistungserbringung.

Rückblick zum Kongress

Überblick zu den möglichen Brexit-Szenarien und den wichtigsten Wirtschaftszahlen

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Sascha Baumann / all4foto.de

Diese Änderungen können auf Unternehmer zukommen

Am 11. Dezember 2018 stimmt das britische Unterhaus über das Austrittsabkommen ab. Im Falle eines "harten" Brexit müssen Unternehmer mit folgenden Veränderungen rechnen:

Warenlieferungen:

  • Die Zollvorschriften der EU und des Vereinigten Königreichs müssen beachtet werden (Zollanmeldungen, Genehmigungen, Zölle).
  • Nichttarifäre Handelshemmnisse, wie bisherige Zertifizierungen verlieren ihre Gültigkeit.
  • britische Ursprungswaren sind keine EU-Waren mehr.
  • Lieferantenerklärungen verlieren ihre Gültigkeit, sofern kein Handelsabkommen geschlossen wird.

Mitarbeiterentsendung:

  • Für Reisen nach UK werden wieder Visum und Pass gebraucht.
  • EU-Bürger werden eine Arbeitserlaubnis benötigen, um in Großbritannien arbeiten zu dürfen.
  • Die Anmeldung von entsendeten Mitarbeitern wird hohe Kosten verursachen und mehrere Wochen dauern.

 So erfüllen Sie Ihre Aufträge in Drittländern rechtssicher und erfolgreich:

 Warenlieferung

 Mitarbeiterentsendung

Das sagen Handwerksbetriebe, die in Großbritannien aktiv sind

Schurig Altmann_kleiner
Werner Kuhnle Fotojournalist www.kuhnle-foto.de

„Wenn ich heute einen Auftrag für das kommende Jahr erhalte, würde ich den Vertrag nur unterzeichnen, wenn mich eine Sonderklausel vor möglichen höheren Kosten nach dem Brexit absichert.“

 Klaus Schurig

Geschäftsführer
 Altmann Laden- und Innenausbau GmbH

Timo Haug epasit GmbH_kleiner
Timo Haug

„Wenn ich Listenpreise für meine Produkte einführe, kann ich sie nicht kurz darauf erhöhen, weil der Brexit möglicherweise höhere Kosten verursacht. Damit wäre ich nicht mehr konkurrenzfähig. Ein Engagement im britischen Markt kommt für mich daher erst in Frage, wenn die Rahmenbedingungen klar  sind.“

 Timo Haug

Mitglied der Geschäftsleitung
 epasit GmbH


Frank Herrmann Spittelmeister_kleiner
Spittelmeister GmbH & Co. KG

„Aufträge im Ausland müssen grundsätzlich lukrativer sein als im heimischen Markt. Sonst lohnt sich der Mehraufwand nicht. Wenn ich für mögliche Zusatzkosten nach dem Brexit vielleicht ein oder zwei Prozent meiner Marge aufwenden muss, bleibt der Auftrag immer noch attraktiv und kalkulierbar.“

Frank Herrmann

Geschäftsführer
 Spittelmeister GmbH & Co. KG



Unsere Tipps

 
Incoterms in bestehenden Verträgen:

Prüfen Sie unbedingt bestehende Kauf- und Lieferverträge auf die vereinbarten Incoterms, damit Sie nicht unerwartet die Logistik- und Zollkosten tragen müssen.

 

 EXW - Ex Works

Der Verkäufer bietet die Ware versandfertig an seinem Standort an. Mit dieser Regelung muss der Käufer für Logistik- und Zollkosten aufkommen.

 DAP - Delivered at Place

Der Verkäufer trägt die Zollkosten. Damit wären Sie als Lieferant für Kosten und Logistik verantwortlich.

"Brexit-Klausel":

Handwerksunternehmen, die in Großbritannien aktiv sind, sollten selbst für alle Eventualitäten vorsorgen. Deshalb raten wir allen betroffenen Unternehmen: Nehmen Sie eine Brexit-Klausel in Ihre Verträge auf. Damit steht es den Parteien frei, bei spürbaren finanziellen Auswirkungen des Brexit, den Vertrag zu kündigen oder Preisanpassungen vorzunehmen. Sofern der Vertragspartner nicht zustimmt, sollten Sie kürzere Laufzeiten in der Übergangsphase vereinbaren, um zeitnah neuere Verträge an die wirtschaftlichen Auswirkungen anpassen zu können.



Handwerk International Baden-Württemberg, Enterprise Europe Network Baden-Württemberg

Aline Theurer

Außenwirtschaftsberaterin

Heilbronner Straße 43
70191 Stuttgart
Tel. 0711 1657-252
Fax 0711 1657-827
at--at--handwerk-international.de