Stimmen aus dem Handwerk

Carmen Coupé ist Außenwirtschaftsberaterin und Projektleiterin bei Handwerk International. Sie berät Handwerksunternehmen, die ins Ausland exportieren möchten und bereitet in Zusammenarbeit mit Ihnen das Auslandsgeschäft vor. So ist sie nah dran an den Betrieben, die das Freihandelsabkommen TTIP direkt betreffen könnte.

Handwerk International: Frau Coupé, Sie beraten Unternehmen, die ins Ausland exportieren. Deshalb kennen Sie sich bestens mit bürokratischen Hürden und Vorschriften bei der Abwicklung von Auslandsgeschäften aus. Was gibt es dabei zu beachten?
Coupé: Jedes Unternehmen, das seine Produkte und Waren außerhalb der europäischen Grenzen liefert, geht den Weg über „darf ich liefern“, „kann ich liefern“ und „was ist erforderlich, damit die Ware über den Zoll kommt“. Wir unterstützen die Betriebe, indem wir die erforderlichen Informationen recherchieren und zur Verfügung stellen.

HI: Bei TTIP soll es auch darum gehen, bestehende Zölle und nichttarifäre Handelshemmnisse abzubauen, um den Handel zwischen Europa und den USA einfacher zu gestalten. Sehen Sie in TTIP im Bereich der bestehenden Zölle Vorteile für die Mitgliedsbetriebe des Handwerks?
Coupé: Ein Großteil unserer exportorientierten Kunden ist in der Medizintechnik, dem Möbel- und Maschinenbau oder in der Photovoltaiktechnik angesiedelt. Es gibt auch Orgel- und Geigenbauer, Unternehmen die Nischen besetzen und damit weltweit erfolgreich sind. Die Zölle hier sind nicht nennenswert, abhängig vom Produkt bei vielen sogar schon 0%. Aus der Sicht der baden-württembergischen Handwerksbetriebe die wir beraten, kann man hierbei also nicht von einem signifikanten Benefit sprechen.

HI: Die Handelserleichterungen sollen über die bloße Aufhebung der Zölle hinausgehen. Vor allem der bürokratische Aufwand beim Außenhandel ist teilweise sehr zeitintensiv und unübersichtlich. Ist durch TTIP mit einer Entlastung dahingehend zu rechnen?
Coupé: Das ist eine gute Frage, die beim jetzigen Stand der Verhandlungen aber nicht eindeutig zu beantworten ist. Es ist richtig, dass im Moment unterschiedliche Bestimmungen im Bereich der Standards und Normen zwischen EU und USA vorhanden sind. Wie in jedem bilateralen Handelsabkommen, ist es auch bei TTIP erforderlich, dass die Rahmenbedingungen von zollfreiem Handel klar abgestimmt sind. So wird voraussichtlich im Abkommen festgehalten sein, dass der Ursprung jedes Produkts einwandfrei nachvollziehbar sein muss. Die Zollfreiheit ist bei Produkten aus der EU bzw. den USA erst dann gegeben, wenn gewährleistet ist, dass das Produkt seine Wertschöpfung innerhalb der im Vertrag festgehaltenen Länder erfahren hat. Dies könnte ein Prozedere von Ursprungsnachweisen mit sich bringen, wie wir es von den Präferenzabkommen her kennen.

HI: Ein weiterer Fokus der Verhandlungen liegt auf dem Abbau sogenannter nichttarifärer Handelshemmnisse. Was ist das überhaupt und inwiefern könnte TTIP dabei behilflich sein, dieses Hindernis zu reduzieren?
Coupé: Nichttarifäre Handelshemmnisse sind Maßnahmen, die den Außenhandel über eine Reihe von Instrumenten einschränken sollen. Dazu gehören klassischer Weise die Festlegung von Importquoten oder sogenannte Local-Content-Klauseln, die gewährleisten sollen, dass ein bestimmter Anteil eines Endprodukts aus inländischer Herstellung stammt. Aber auch technische Normen und Standards wie zum Beispiel die DIN-Norm aus Deutschland gehören dazu. Die Absicht solche Einschränkungen abzuschaffen und den Mehraufwand für kleine und mittelständische Unternehmen bei der Produktion von Gütern für den Außenhandel zu minimieren ist sehr begrüßenswert. So produzieren zum Beispiel baden-württembergische Unternehmen Schaltschränke nach der EN-Norm 61439. Möchten sie diese nun in die USA verkaufen, ist das nur schwer möglich, da dort andere Normen gelten und die europäische Norm unbekannt ist. Inwiefern es TTIP gelingen wird, jedes dieser Handelshemmnisse abzubauen bleibt abzuwarten, wäre aber prinzipiell eine Entlastung für handwerkliche Unternehmen.

HI: Was den Vorteil für exportorientierte Mitgliedsbetriebe des Handwerks betrifft, scheinen Sie TTIP tendenziell eher skeptisch gegenüber zu stehen. Ein abschließendes Wort dazu?
Coupé: Die Idee jedes Freihandelsabkommens ist es, die Zoll- und Barrierefreiheit des Handels zwischen zwei Parteien zu etablieren. Das ist von der Idee her sehr zu begrüßen und gut. TTIP macht da keine Ausnahme. Unser Fokus liegt aber auf kleinen und mittelständischen Handwerksbetrieben. Und hier sind umfassende Entlastungen für den Außenhandel einfach noch nicht absehbar. Dass ein eigenes KMU-Kapitel in den Verhandlungen vorgesehen ist, ist ein Schritt in die richtige Richtung. Dabei sollte man berücksichtigen, dass KMU überwiegend eine regionale Wirtschaftskraft darstellen. Diesen Unternehmen auch im Zusammenhang mit TTIP ein Umfeld für fairen Wettbewerb zu gewährleisten, ist die Aufgabe der Verantwortlichen in der Politik. Wir von Handwerk International schauen danach, dass unsere Kunden die Hürden nehmen können, die mit ihren Auslandsgeschäften verbunden sind.

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